Sonntag, 12. Oktober 2008

Cairns - Townsville - Palm Cove

Frueh morgens, nein diesmal nicht vor Sonnenaufgang, entschlossen wir uns direkt nach Townsville zu fahren, welches, ca. 4 Stunden Autofahrt von Cairns, unser suedlichster Punkt in Queensland werden sollte. Es war Samstag und nachdem wir ein Motel organisiert hatten machten wir uns hungrig auf, ein Cafe oder aehnliches zu suchen. Die Promenade ist huebsch und das Wetter spielte auch mit. Die vorgelagerte Insel Magnetic Island ist schon von der Kueste aus sichtbar. Nach 20 Minuten erreichten wir das eigentliche Zentrum und wir freuten uns auf einen guten Cafe und etwas Festes zwischen den Zaehnen. Als wir dann in die Hauptstrasse einbogen, war uns ziemlich schnell klar, es wuerde nicht einfach werden, etwas zu finden. Die Rollaeden der Lokale waren unten, die Laeden noch, schon oder fuer immer geschlossen. Nach ca. 1 Stunde Suche fanden wir dann endlich eine Bar, die geoeffnet hatte. Voller Hoffnung begaben wir uns dann an die Theke, um von einer unfreundlichen Dame muerrisch begruesst zu werden. Die Frage nach etwas zu Essen beantwortete sie dann mit einem schnellen 'No -not yet', brachte uns aber nach 10 Minuten einen relativ guten 'Latteee' auf die einsame Terrasse. Wir fragten sie nach den geschlossen und leeren Lokalen und Laeden und wir erhielten dann nur ein ziemlich frustriertes 'Yep, that's Townsville' zur Antwort.

Am Abend gingen wir dann mit einem Baeren-Hunger wieder in die Stadt und tatsaechlich hatten einige Lokale geoeffnet. Wir waehlten dann das vollste Restaurant, ein Tuerkisches... und waren wirklich sehr positiv ueberrascht. Am naechsten Tag packten wir nichts desto trotz unsere Sachen und nahmen die 9 Uhr Faehre nach Magnetic Island.

Magnetic Island ist eine spaerlich bewohnte Insel groesstenteils bedeckt mit Nationalpark. Wir hatten uns schon am Tag zuvor das 'beste Backpacker/YHA Australiens' ausgesucht und reserviert, das Bungalow Bay Koala Village (www.bungalowbay.com.au). Somit nahmen wir den ersten Bus Richtung Horsehue Bay welches an der Ostseite der Insel liegt. Nachdem wir unser Cabin bezogen hatten (Reise-Tipp fuer Australien und Neuseeland: Cabins sind eine sehr preisguenstige Uebernachtungsvariante, welche meistens auf Campingplaetzen zu finden, manche haben sogar ein eigenes Bad und man spart sich das teure Benzin fuer einen Camper und muss das Zimmer nicht mit Fremden teilen), buchten wir eine Tour im Haus-eigenen Wildlife Park. Da man in Queensland, als einzige Region in Australien, Koalas auf den Arm nehmen kann, musste ich da natuerlich hin. Ueberraschenderweise war die Fuehrung sehr interessant und, obwohl Flo normalerweise ueber solchen Sachen steht, konnte ich ihn dafuer begeistern, ein paar der Tiere zu anzufassen.

Am folgenden Morgen unternahmen wir dann eine Wanderungen. Die Insel ist wirklich sehr schoen und es leben sogar wilde Koalas in den Waeldern, nur gesehen haben wir keine. Am Nachmittag nahmen wir dann die Faehre zurueck nach Townville um es dann sogleich zu verlassen.

Unser naechster Halt war dann Mission Beach, der zweite Ort an welchem es noch wilde Cassowarys gibt. Zum ersten mal verliess uns das Glueck und wir hatten echt schlechtes Wetter, somit fuhren wir am naechsten Tag nach Cairns, wo es wenigstens ein Kino gibt.


Unsere letzten Tage verbrachten wir dann in einem tollen Hotel in Palm Cove, das ich, dank Industry Rabatt, ziemlich guenstig buchen konnte. Palm Cove ist ein herziges Doerfchen mit suessen Laeden und netten Restaurant. Wir genossen es, einmal ausschlafen zu koennen und einfach nichts tun zu muessen. Am Tag vor unserer Abreise nach Sydney buchten wir den laengst faelligen Ausflug zum Great Barrier Reef. Zum Glueck hatte sich das Meer wieder etwas beruhigt, so ueberstanden wir die stuendige Bootsfahrt ohne Zwischenfaelle. Bei strahlendem Sonnenschein praesentierten sich das Riff und die unzaehligen Meeresbewohner in allen Farben - echt toll!

Cairns - Daintree National Park

Schon beim Anflug wird einem der Unterschied zur Wuesten- und Steppenlandschaft von Darwin bewusst. Obwohl Torpical North Queensland auch Outback bietet, ist doch ein grosser Teil der Region mit Regenwald bedeckt. Cairns hat ca 120,000 Einwohner und wurde uns als eigentlich nicht sonderlich sehenswert beschrieben. Umso positiver waren wir dann ueberrascht, als wir uns das erste Mal ins Zentrum aufgemachten. Klar gibt es hier viele Backpacker und dem entsprechend auch ein Touristenfallen, aber der Stadtkern ist eine willkommene Abwechslung zu den sonst eher aermlichen und im Angebot nicht sehr reichlichen Doerfchen im Northern Territory. Es gibt einige suesse Laeden und endlich wieder den guten Kaffee, den wir schon schmerzlich vermisst hatten. Eine lange Promenade am Meer entlang fuehrt zu einem kleinen Park und einer kuenstlich angelegten Lagune, quasi ein Schwimmbecken, das auch reichlich genutzt wurde. Wir uebernachteten in der Disovery Logde und assen in einem tollen kleinen Koreanischen Restaurant, dem Sansoo, was sich beides als gute Wahl herausstellte. Wir hatten leider nur eine Nacht in Cairns eingeplant und waren etwas traurig, die Zivilisation so schnell hinter uns lassen zu muessen.

Wir hatten uns bereit erklaert, Oliv, seinen WG Partner Paul und Nico, der uns schon auf unseren frueheren Reisen begegnet war, in den Daintree Nationalpark mitzunehmen. So machten wir uns am naechsten Tag also zu fuenft auf in Richtung Norden. (Ein Bericht zum Drama der Uebernahme unseres Leihwagens aufgrund einer seit Wochen fehlenden Bestaetigung des Reisebuero soll hier dem Leser erspart werden.)

Tropical North Queensland ist an der Kueste noerdlich und suedlich von Carins ziemlich dicht besiedelt. Die Strasse fuehrt zuerst an Zuckerrohrfeldern und spaeter and Bananenplantagen vorbei. Die Vegetation ist sehr dicht und der Regenwald grenzt teilweise direkt ans Meer. Ueberraschenderweise ist die Region hueglig und im Daintree Nationalpark weiter im Norden befaehrt man sogar Haarnadelkurven, was mich ein bisschen an zu Hause erinnerte.

Die Fahrt fuehrt einen an Ferienorten wie Palm Cove und Port Douglas vorbei. Die Region ist vor allem fuer die schoenen weissen Straende beruehmt und natuerlich das vorgelagerte Great Barrier Reef. Diese Region ist eine ganzjahres Reisedestination, in den Sommermonaten (Oktober bis Mai) ist jedoch teilweise Regenzeit und es werden tausende von Quallen angespuehlt, was das Baden an den Straenden erschwert (nur innerhalb von Netzen moeglich). Ganzjahrig sind auch die Salzwasserkrokodile gegenwaertig, die vom Meer aus die Fluesse hochschwimmen und einem sowohl im Regenwald als auch am Strand begegnen koennen. Flo und mir ist es leicht gefallen, das Baden sein zu lassen, auch deshalb, weil die Temperaturen im Winter sich um die 20-23 Grad bewegen und selten die 25 Grad Marke ueberschreiten.

Da wir einen Aufenthalt in Palm Cove am Ende unserer Reise noch eingeplant hatten, machten wir den ersten Halt in Port Douglas, einem Ort mit vielen exklusiven Restaurants, ein paar netten Hotels, Apartmentblocks und natuerlich dem beruehmten Four Mile Beach. Flo und ich haetten es uns auch vorstellen koennen, hier ein paar Tage zu verbringen. Nach dem Mittagessen fuhren wir dann weiter, die Strecke Cairns - Daintree sind gute 2 Stunden Fahrt, in Richtung Faehre uber den Mossman River. Wirklich erstaunlich, wenn ueber diesen vor Krokodilen nur so wimmelnden Fluss setzt taucht man in eine andere Welt ein. Es sind fast keine Haeuser mehr zu sehen und sie Strasse wird schlagartig schmaler, die Seitenstrassen sind ungeteert und manchmal nur mit einem 4WD zu befahren.

Der Daintree Nationalpark ist ein Regenwald und unter anderem auch fuer den Helmkasuar (Cassowary) beruehmt. Dieses Tier lebt nur noch in dieser Region und in einem kleinen Gebiet suedlich von Cairns in Mission Beach. Es ist ein urtumeliches, hoechst aggressives Vieh, sieht aus wie ein Strauss oder Emu aber mit schwarzen Federn, einem blauen Gefieder am Hals, komischen roten Hautlappen an derselben Stelle und Riesenklauen. Das Auffallendste ist jedoch ein Beil-foermiges Horn auf dem Kopf, das einem das Fuerchten lehrt.

Wir luden die Jungs in ihrem Camp ab, dem Daintree Koala Beach Resort, einem Camping Platz und Backpacker mit kleiner Bar und Restaurant. Diese Uebernachtingsmoeglichkeit machte wirklich einen guten Eindruck, wir hatten uns jedoch schon einen Bungalow in der Wilderness Lodge reserviert (http://www.daintreewildernesslodge.com.au/) und deshalb fuhren wir weiter. Die Wilderness Lodge besteht nur aus einem Haupthaus und 8 Bungalows, welche durch hoelzerne Hoch-Stege verbunden sind. Unser Haeuschen war das letzte in der Reihe und lag in Mitten des Regenwaldes, voellig geschuetzt vor der Einsicht anderer Gaeste. Teile des Daches waren aus Glas und wir fuehlten sich voellig alleine unter dem gruenen Blaetterdach. Im Daintree gibt es kaum Restaurants, so assen wir im Restaurant der Lodge. Am Abend und Morgen warteten wir leider vergeblich auf die Cassowarys die zur Daemmerung des Oefteren unter unserem Bungalow vorbeiziehen sollten.

Wir haetten es durchaus noch laenger aushalten koennen aber wir hatten unsere Reise anderweitig geplant, so machten wir uns am naechsten Morgen auf, die Jungs im Backpacker abzuholen. Zuerst besuchten wir das Besucherzentrum des Daintree National Parks wo, vor allem der Tree-Walk sehr empfehlenswert ist. Der Weg schraubt sich von ebenerdig bis in die hoechsten Gipfel des Waldes und man hat einen tollen Blick ueber die Baumwipfel. Danach fuhren wir nach Cape Tribulation. Der Ort ist wirklich winzig und eine Weiterfahrt Richtung Norden empfiehlt sich ohne 4WD nicht. Der Regenwald ergibt sich unmittelbar ins Meer und wo nicht erstrecken sich breite weisse Sandstraende – echt traumhaft. Nur Baden sieht man da fast keinen aus schon erwaehnten Gruenden.

Gegen Abend fuhren wir zurueck nach Cairns um dann am naechsten Morgen weiter in Richtung Sueden zu fahren.

Donnerstag, 7. August 2008

Darwin - Litchfield - Kakadu National Park - Darwin

Den ersten Blick auf Darwin warfen wir erst nach 18Uhr, als die Sonne bereits am Untergehen war (es ist ja Winter). Da die meisten der Mitreisenden am gleichen Ort wie wir übernachteten , hatten wir das Glück, zuerst ausgeladen zu werden. Will, unser Fahrer und Guide, ermahnte uns, alle Sachen aus dem Bus mitzunehmen, da er diesen am nächsten Tag früh wieder nach Alice Springs fahren würde und somit Lost & Found Artikel in Alice Springs zurückzufordern seien. Nach einem gründlichen Bus-Check machten wir uns auf den Weg zur Rezeption, um dann sogleich unser lang ersehntes Doppelzimmer zu beziehen. Nach einer ausgiebigen Dusche und ersten Emailchecks fuhr er mir in die Knochen - Oh Schreck - unsere Wanderschuhe! Sch....! Da diese unter anderem Gepäck im Anhänger gut versteckt waren, hatten wir sie glatt übersehen. Das darf doch nicht wahr sein! Ok, ganz ruhig bleiben! Will hatte doch erwähnt, dass er im gleichen Backpacker übernachten würde wie wir. Auf der 3 taegigen Reise hatten wir ihn eigentlich sehr organisiert erlebt, vielleicht hatte er ja vorausgedacht und die Schuhe einfach mal in die Unterkunft mitgenommen. Stossgebete folgten. Nachdem ich Adventuretours zu kontaktieren versucht hatte - war schon geschlossen um jene Uhrzeit - und da die Guides hier keine Handys haben (nur Funkgeräte), eilte ich zur Rezeption und nach erfolglosem Nachrichten-Hinterlegen und Arbeitskollegen-Beschwören lief er mir dann einfach über den Weg und - Will auf Dich ist Verlass! - er hatte an unsere Schuhe gedacht!

Ich weiss ja nicht mehr genau, was in aller Welt uns dazu bewegt hatte diese Busreisen Tag auf Tag und ohne Pause zu planen, aber wieder vor Sonnenaufgang erwartete uns vor der Unterkunft ein 4WD Bus mit neuem Guide Kate. Schon bald waren wir auf leeren Strassen unterwegs. Zuerst ging's Richtung Litchfield National Park. in diesem Park sind die Sehenswürdigkeiten Termitenhügel (Termite Mounds). Zum einen sind es Meter hohe 'Cathedrals', wie sie genannt werden, zum anderen 1.5 Meter hohe und sehr flache Gebilde, die in der Masse wie Grabsteine aussehen. Aber es gibt sehr viele unterschiedliche Termitenarten, auch solche, die gar keine Hügel bauen, sondern nur in der Erde leben, die sind aber natürlich nicht so spektakulär anzusehen. Die Cathedrals wachsen ca. 1 Meter alle 10 Jahre. Die Rillen (siehe Foto) sind dazu da, eine konstante "Innenraum" Temperatur zu gewährleisten. Diese Termiten ernähren sich von Gras, andere Arten wiederum von Bäumen. Zuerst dachten wir, dass die Bäume an den Termiten zugrunde gehen, aber anscheinend können die mit einem hohlen Stamm sehr gut leben. Diese Stämme werden dann von den Aboriginals dazu verwendet, Didgeridoos herzustellen. (Die Echtheit eines solchen Instruments erkennt man also an den gerillten Innenflächen des Rohrs).

Nach einem Badestopp an einem schönen Wasserfall gab's dann erstmals so richtiges 4WD Abenteuer. Kate fuhr den Bus gekonnt durch die Savanne, Wasserlöcher und Flüsse in Richtung Kakadu National Park. Die Grenze des Park erkennt man nur anhand eines lotterigen Gatters, ansonsten sieht die Landschaft vor und nach dem Gatter natürlich gleich aus. Am späteren Nachmittag erreichten wir mein persönliches Highlight der Reise. Wir gelangten an den Steg des Mary Rivers, ein natürlicher Billabong (stagnierendes Wasser, oder auch See ohne Zufluss, das in der Regenzeit seinen Zufluss findet und sich dann bis zum Meer erstreckt).

Unsere Bustour beinhaltete eine zweistuendige Schifffahrt. Der See ist der Anziehungspunkt unzähliger Vögel, von der Ente ueber den Australischen Storch bis hin zum Seeadler. Zudem kommen Wallabys ans Ufer zum Trinken und natürlich sonnen sich Salz- und Süsswasserkrokodile an den Böschungen. Es war so toll, diese Tiere und das Oecosystem zu beobachten, zwei Stunden waren einfach zu kurz. Nach einer kurzen Nacht im Zelt brachen wir auf zu den Twin und den Jim Jim Falls - vorbei an wilden Pferden, einem Wildschwein, einem Wasserbüffel und vielen Vöglen.

Die Anfahrt war das eigentliche Abenteuer, ohne 4WD hätten wir das nicht ohne Panne überstanden. Ich war einfach nur froh dass ich nicht selbst fahren musste und so konnten wir das Gerüttel geniessen. Eine Stunde später spazierten wir zu einer kleinen Fähre, die uns durch eine Schlucht zum Wanderweg zu den Fällen bringen würde. Die Wasserfälle, das konnte man schon von weitem erkennen, waren weder Twin noch spektakulär; der Weg dahin schon eher. Wir waren erstaunt wie viele Leute auf diesem doch sehr anspruchsvollen, nur von Fels zu Fels springend begehbaren Weg (Weg ist eigentlich schon zuviel der Ehre) mit Flipflops unterwegs waren. Dank der wieder erlangten Wanderschuhe gut angekommen, waren wir enttäuscht ueber die doch sehr zahlreichen Leute, die sich auf dem weissen Sand vor dem kleinen See tummelten. Von Einsamkeit eines Nationalparks war leider nichts zu spüren. Dashalb waren wir auch nicht sonderlich überrascht, als wir Nico, der mit uns die Busfahrt von Alice Springs nach Darwin mitgemacht hatte, begegneten.

Nach dem mühseligen Rückweg und einem einfachen Lunch im Stehen fuhren wir zum Jim Jim Fall, einem sehr spektakulären Wasserfall, der von einer Ebene aus eine halbrunde Felswand hinunter stürzt und sich in ein sehr tiefes Becken ergibt. Flo begab sich, nach einer erneut schwierigen Wanderung, auf der wir doch tatsaechlich Oliv und Paul begegneten (unseren Nachbarn in Sydney), ins kalte Nass. Dies war eine echte Mutprobe, das Wasser war eiskalt - Schatz, ich bin stolz auf Dich!

Am nächsten Tag fuhren wir dann die 500 km zurück nach Darwin. Wir machten nochmals einen kurzen Halt an einem Wasserfall (wo sogar ich mich trotz möglicher Süsswasserkrokodile ins Wasser begab) und an einer Tankstelle, an der es kein Benzin gab.